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Projekt


06.02.2012

Die Schülerinnen der Mädchenrealschule Volkach zeigen Eigeninitiative - 
„Ein Sprung in Richtung Selbstsicherheit!“
1. Von einer Schülerin aus der Klasse 9 a der  MRS Volkach - KEA STEVENS

Der neu vom Staat erstellte Lehrplan fordert, dass alle Schüler/innen der 9. Klasse zwischen Januar und März Zeit haben um ein Projekt vorzubereiten und es anschließend vor einem Publikum zu präsentieren. Unsere Klasse 9,a hat sich als Thema, den „11. September 2001“ gewählt. Die Mädchen der Klasse wurden von der Klassenlehrerin in 6 gleichgroße und gleichstarke Gruppen eingeteilt. 

Während der Projektzeit 
Natürlich brauchte jede einzelne Schülerin eine gewisse Zeit um sich einzuarbeiten, doch es dauerte nicht lange, bis alle in ihrem neuen Rhythmus waren. Insgesamt hatte die Klasse zwei Monate Zeit, um sich auf die Präsentation vorzubereiten, dazu kam, dass ca. ein- bis zweimal in der Woche ein Projekttag stattfand, der jeweils vier Stunden des Unterrichts in Beschlag nahm. Dazu gab es unterschiedliche Meinungen. „Ich persönlich fand diese vier Stunden zu anstrengend und es war viel zu viel auf einmal. Man hätte das besser verteilen sollen“. Eine andere Mitstreiterin: „Ich brauchte diese Projekttage und die Länge hat genau gepasst, denn hätte man weniger Zeit gehabt und hätte es anders verteilt, müsste man sich jedes Mal viel zu lange einarbeiten!“ Nach der Hälfte der Zeitspanne wurde eine Zwischenbeurteilung der einzelnen Schülerinnen und der Gruppen gemacht. Die Lehrer begutachteten, wie die Mädchen bisher gearbeitet hatten, gaben Verbesserungsvorschläge und Anregungen. Zwei Wochen später fand bereits die Generalprobe statt. Nochmal eine Woche später dann der letztendliche Vortrag. 

Fazit
Obwohl diese für uns neue Art des Arbeitens sehr viel Zeit in Anspruch nahm und dazu kam, dass jeder Lehrer Rücksicht auf die Schülerinnen nehmen musste und manchmal nicht seinem normalen Unterricht halten konnte, war es eine lehrreiche Erfahrung. Viele Mädchen haben besondere Leistungen gezeigt, die man nicht erwartet hätte, sind aus sich herausgegangen und zeigten einen großen Sprung in Richtung Selbstsicherheit. Dennoch war nicht immer alles einfach. 
 „Es gab Momente, in denen ich fast verzweifelt wäre!“, behaupteten mehrere. Doch letztendlich hatte die ganze Klasse viel Freude, die Mädchen lernten sich auch untereinander besser kennen und zeigten  Eigeninitiative. „Es ist unfassbar wie viel Potential jede Schülerin in unserer Klasse hat, das vorher vielleicht nicht immer deutlich sichtbar war! Das hätte keiner gedacht.“ 
Bilder von Marlene Greß
                    
2. Zeitungsbericht von Peter Pfannes 

Volkach - Drei oder vier Jahre waren sie alt, als am 11. September 2001 drei von Terroristen gelenkte Flugzeuge in das World Trade Center in New York und in das Pentagon krachten. Heute besuchen die jungen Frauen die 9. Klassen der Mädchenrealschule. "Meine beiden älteren Schwestern wurden an dem Tag eingeschult, als die Bilder im Fernsehen liefen", erzählt Astrid Maier. Die 15-Jährige aus Escherndorf kann sich noch genau an die Katastrophe erinnern, obwohl sie doch gerade erst im Kindergartenalter war. Auch Linda Sterk (14, Großlangheim) erinnert sich daran , dass sie damals mit großen Kulleraugen fasziniert vor dem Fernseher saß: "Ich hab gesehen, wie das Flugzeug da rein gekracht und alles explodiert ist." Zehn Jahre später machten sich die beiden Mädchen mit ihrer Klasse 9a auf, die grausamen Geschehnisse von damals aufzuarbeiten und die Ergebnisse im Rahmen eines Projektes Eltern und Schülern der Volkacher Schule näher zu bringen.

Kathrin Gerauer (15, Kirchschönbach) hat sich schon immer für Amerika und New York interessiert. Als am 11. September 2011, dem 10. Jahrestag der Anschläge der Terrororganisation al-Qaida, viele Dokumentationsfilme im Fernsehen liefen, reizte das Thema Kathrin und ihre Klassenkameradinnen. Ein Ereignis eines bestimmten Datums für ein Projekt aus verschiedenen Ideen auszuwählen war halt einmal etwas Neues. Eine demokratische Abstimmung in der Klasse führte zu der Entscheidung, den Anschlag auf das World-Trade-Center als Projektthema zu wählen. Einige Lehrer hätten gezweifelt, sagt sie. Wie kann man sich nur so etwas heraussuchen? Das ist doch total kompliziert. Wie will man da auf Stoff kommen? "Doch sie haben uns dann trotzdem toll unterstützt," erzählt Kathrin. Als die Präsentation fertig war, seien die Lehrer sehr begeistert gewesen. "Die ganze Klasse war dann froh, dass wir das Thema genommen haben." Zusammen mit Jasmin Herrmann (14, Schwarzach) leitete sie die Gruppe, die das Unterthema "Rettungsorganisationen" zu bearbeiten hatte. 343 Feuerwehrleute mussten damals bei dem Versuch, andere Menschen zu retten, selbst ihr Leben lassen. Ein Plakat verdeutlichte die unglaubliche Zahl der toten freiwilligen Helfer. Über das Internet wurde recherchiert. Ein Buch eines Feuerwehrmannes mit dem Titel "Unter Einsatz meines Lebens" und eine Dokumentation über zwei junge Filmemacher, die einen Feuerwehrmann begleiteten, brachten fundierte Hinweise. Dabei fanden die Neuntklässlerinnen heraus, dass am Katastrophenort die Kommunikation von Feuerwehr, Polizei, Rettungshundeführern und Sanitätern per Funk nicht gut funktionierte. "Da gab es Lücken," schildert Jasmin. Auch die Seelsorge und die seelischen Folgen für Verletzte, Angehörige und Beobachter interessierte das Team. Ihre persönliche Meinung zu den Geschehnissen: "Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, Flugzeuge in einen Wolkenkratzer hineinfliegen zu lassen und so viele Menschen umzubringen. So etwas zu planen ist total schlimm." Corinnas Gedanken zu den Selbstmordattentaten: "Schockierend und eigentlich überhaupt nicht vorstellbar. In so einem Gebäude arbeiten ja mehr Menschen als in meinem Heimatort leben." Corinnas Gruppe hatte das Thema "Drei Länder im Porträt: Afghanistan, USA, Irak". Sie stellten fest, dass zwischen diesen Ländern Welten liegen und große Spannungen vorhanden sind. Ihre Vorurteile gegenüber diesen Ländern musste Corinna gewaltig korrigieren, als sie recherchierte.

Die Gruppe von Elisa Höck (15, Kitzingen) recherchierte zum Thema "Traumatisierung" und sie stieß auf extrem schlimme Auswirkungen der Katstrophe auf Körper, Geist und Seele aller Beteiligten. "Diese Traumata können die Menschen ein ganzes Leben lang verfolgen", sagt Elisa zu den vielen Opfern. Aber auch die Menschen, die das Geschehen am Bildschirm verfolgten, seien häufig traumatisiert. Für Linda Sterks Team lautete die Aufgabe: Wie waren die Städte vor und nach dem Anschlag. "Wir haben unseren Zuhörern den Aufbau des World Trade Centers veranschaulicht", sagt Linda und hält ein Plakat in der Hand, das den Größenunterschied zwischen einem Wolkenkratzer und der Volkacher Stadtpfarrkirche aufzeigt. An der Stelle des zerstörten Gebäudes wurde eine Gedenkstätte errichtet. Theresa Klos (14, Schwarzach) verurteilt die Terroristen: "So ein Attentat kann man nicht verstehen. Mir fehlen da die Worte." Ihr Team ermittelte in Sachen "Deutsche Sicherheitspolitik". Vor allem die Kontrollen durch die Polizei und auf den Flughäfen wurden seit dem Anschlag verstärkt. Positiv: "Das Sicherheitspersonal ist aufgestockt worden." 

Stolz auf die jungen Referentinnen ist Schwester Inge Höning: "Weil die Klasse 9a ihr ausgewähltes Thema "11. September" unbedingt wollte, mussten sich die Mädchen dann halt durchbeißen," betont die Schulleiterin. Die ganze 9a habe das sehr gut gemacht, wie auch die Schülerinnen der beiden anderen Klassen, welche die Themen "Nationalsozialismus" und "Jugend" auswählten. Wichtiges Ziel des Projekts sei es zu lernen, wo man Informationen her bekommt und wie man sie einem Publikum präsentiert. Die Möglichkeiten der Präsentation seien den Jugendlichen freigestellt gewesen, so Schwester Inge. Power-Point-Präsentationen und das Malen von Plakaten hätten die jungen Forscher favorisiert.

Elisa Höck ist sich indes im Klaren darüber, dass sich die Anschläge von 2001 jederzeit wiederholen können, "auch bei uns in Deutschland". Das Anwachsen der Ausländerfeindlichkeit seit dem Anschlag hat Astrid Maier etwas schockiert. Ihre Gruppe beschäftigte sich dem Verhältnis Deutsche-Nichtdeutsche. "Der Ausländerhass ist seitdem in Deutschland stark angestiegen", lautet das Ergebnis ihrer Nachforschungen. Viele Deutsche stünden Menschen aus dem Islam ängstlich gegenüber. Eine kleine Umfrage in Volkach hatte ergeben, dass es starke Vorurteile gegenüber dieser Menschengruppe gibt. Astrids Fazit: "Würde man sich intensiver über diese Leute informieren, dann wäre Schluss mit den Vorurteilen." fp

Zahlen:
343 Feuerwehrleute starben bei dem Versuch, anderen Menschen zu helfen.
3000 Menschen verloren bei den Anschlägen vom 11. September 2001 ihr Leben.
6000 Frauen und Männer wurden bei den Selbstmordattentaten schwer verletzt.


3. Der Zeitungsbericht als PDF-Datei zum Anschauen. Bitte klicken Sie hier: Zeitungsbericht - PDF 



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