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WenDo-Kurs


28.01.2015

Wie Mädchen lernen "Stopp" zu sagen 
 
Kathrine Gottwald gibt seit über 20 Jahren WenDo-Kurse an Schulen und Jugendeinrichtungen
 
Volkach   Eigentlich haben die Mädels schulfrei. Trotzdem trainieren sie in der Schulturnhalle: "Finger weg!" schreit Jana ihr Gegenüber an, "Hilfe, der begrabscht mich!" fordert Natascha lautstark Unterstützung von ihren Mitschülern. "Hey, da ist ein Fummler", stellt Hannah einen Mitschüler, der sie berührt, bloß. Ob im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof, an der Bushaltestelle oder im Schulbus erleben Schüler/innen manchmal unwillkommene Situationen, die von ihnen Mut und Selbstbewusstsein erfordern um sie zu meistern. "Dass sich ein Mädchen traut klare Grenzen zu setzen, kann man üben", sagt Kathrine Gottwald. Die langjährige WenDo-Trainerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen und Frauen stark zu machen, sich zu wehren und notwendige Hilfe zu holen. Schon oft war sie für den Kreisjugendring Kitzingen aktiv, der zu Übungsstunden ins Armin-Knab-Gymnasium einlud, am Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach oder wie in der vergangenen Woche an der Volkacher Mädchenrealschule. Überall hat Gottwald ein Ziel: "Ich möchte die Mädchen und Frauen stärken und ihnen das notwendige Handwerkszeug für bestimmte Situationen an die Hand geben." Doch weil jede Frau egal welchen Alters anders "gestrickt" ist, ist ihr Job kein leichtes Unterfangen.
 
Gottwald sieht WenDo als Gewaltprävention auf drei Ebenen. Primär ist das Vorbeugen: Mädchen, die keine gravierende Gewalt erleben mussten, lernen ihren Stärken zu vertrauen und sich in Zukunft noch selbstsicherer zu schützen. WenDo setze an den Stärken und Fähigkeiten der teilnehmenden Mädchen an und fördere das Selbstbewusstsein der Mädchen, indem das vorhandene Einstellungs- und Verhaltensrepertoire erweitert, gestärkt und aufgebaut wird. Sekundärprävention heißt Aufdecken: Mädchen lernen auch über peinliche Situationen zu sprechen. Sie üben sich bei Übergriffen jeglicher Art anzuvertrauen. "Gerade im Bereich von Peergewalt (Übergriffe unter Schülern) werden viele bisher unentdeckte Grenzverletzungen offengelegt und können mit Hilfe der Schule und Eltern gestoppt werden." Die dritte Ebene der Vorbeugung richtet sich an Mädchen, die in konkrete Gewaltsituationen verwickelt waren oder sind. "Wenn Mädchen Opfer waren, geht es darum Ohnmachts- und Schamgefühle abzubauen und die Selbstsicherheit wieder herzustellen", so Gottwald. WenDo ersetze keine Therapie, sei aber als effektives Verhaltenstraining unterstützend bei der Heilung traumatischer Belastungen.
 
Traumatisiert ist Jana (11) keineswegs. Als sie beim Training ein Brett mit den Füßen durchtritt, ist sie erstaunt. "Ich habe gar nicht gewusst, dass ich solch eine Kraft habe", sagt das zierliche Mädchen. Sie erzählt, dass ihr in der Grundschule ein paar Jungs gegen das Schienbein getreten haben. Sie hat geweint. "Heute wüsste ich, wie ich mich zu verhalten habe." Natascha (11) gefallen die Übungen mit der Trainerin. "Ruhig bleiben und die Kräfte sammeln, das habe ich heute gelernt," erzählt sie bei Halbzeit des Kurses. "Laut halt schreien ist voll cool", schildert Hannah (11). "Da spürt man sich." Künftig will sie das Gelernte im Schulbus einsetzen, wenn die Jungs wieder einmal gehörig nerven. "Im Notfall kann ich auch schlagen und treten, wenn ich angegriffen werde." Sr. Inge Höning hat sich zu der Mädchentruppe dazu gesellt. Die frühere Schulleiterin fördert den Kurs zusammen mit dem Freundeskreis der Schule seit Jahren. "Das sind Übungen fürs Leben", freut sie sich mit den trainierenden Teenagern.
 
Trainerin Gottwald, selbst zweifache Mutter, macht deutlich, dass ihre Arbeit die Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen in der Pubertät besonders unterstützt. Die jungen Frauen üben, Formen von Gewalt und Abwertung zu erkennen und abzuwehren: Der Fremde wird als Täter genauso in den Blick genommen wie Menschen aus dem Familien- und Freundeskreis. Das Training streift Mobbing sowie Gewalt in Chaträumen und neuen Medien. Gefallen hat der Kurs allen. Janas Fazit nach sechs Übungseinheiten: "Ich traue mich jetzt Stopp zu sagen, wenn ich möchte. Ich kann Hilfe holen und wir Mädchen können uns gegenseitig unterstützen."
 
Info: Schulen und andere Einrichtungen können den WenDo-Kurs bei Kathrine Gottwald (Großrinderfeld) per Email unter kathrine.gottwald@web.de buchen. WenDo-Training gibt es auch für Buben und junge Männer. Das Training leitet dann ein männlicher Kollege Gottwalds.
 
Selbstbewusst zur Wehr gesetzt: "Stopp" schreit Hannah ihr Gegenüber lautstark an. Trainerin Kathrine Gottwald spielt einen unliebsamen Mitschüler, der Hannah berührt hat, obwohl sie das gar nicht will.
 
Bild und Text von Herrn Pfannes (Presse)


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