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Verabschiedung von Sr. Inge Höning


18.08.2012

Der Umstand, dass immer mehr Kinder psychiatrisch behandelt werden müssen, ist für Schwester Inge Höning eine schlimme Entwicklung und für sie persönlich belastend. Seit 1998 leitet die sympathische Franziskanerinnen-Schwester die Volkacher Mädchenrealschule im Kloster St. Maria erfolgreich - eine Zeit, in der ihr vor allem das Wohl und eine gute Zukunft ihrer Schützlinge am Herzen lag. An diesem Freitag verlässt die passionierte Pädagogin ihre Schulfamilie und verabschiedet sich in den verdienten Ruhestand. 40 Jahre hat sie insgesamt auf ihrem schulischen "Buckel". Für Schwester Inge bleibt es eine "unvergessliche Zeit des Unterrichtens, des Lehrens, des Korrigierens von unzähligen Aufsätzen und des Verwaltens unserer Realschule".
"Alles hat seine Zeit," zitiert die Schulleiterin eine Stelle aus dem Alten Testament. Ihr Abschied von der schulischen Bühne bereiten ihr zweigeteilte Gefühle. Einerseits herrscht bei ihr Wehmut aus dem Schulleben auszuscheiden, andererseits Freude, aus den Zwängen des Schulalltags befreit zu werden.
Schwester Inge erinnert sich an die Anfänge ihrer Lehrerzeit "Früher hatten die Mädchen nur das Schulleben." Im Laufe der Jahrzehnte hat sie bei den Jugendlichen einen enormen Wandel festgestellt, vor allem im Bereich der Freizeitgestaltung. "Die Freizeit ist für die Mädchen heute äußerst vielfältig." Geändert hat sich nach ihrer Ansicht auch die Mobilität der jungen Leute, die früher doch noch sehr eingeschränkt war. "Die Kinder sind heute da und morgen dort," empfindet die ausscheidende Schulleiterin eine große Schnell- und Kurzlebigkeit. Das Interesse vieler Eltern sieht sie als positiv. "Es ist schon gut, wenn die Eltern so manches hinterfragen." Nach ihrer Meinung gehen aber die Kritik einiger Eltern  am pädagogischen Tun der Lehrkräfte und entsprechende Vorwürfe zu weit. "Das ist schon mehrfach sehr anstrengend für mich und die Lehrer geworden," plaudert sie aus dem schulischen Nähkästchen. Das Miteinander von Eltern und Kindern teilt die erfahrene Lehrerin in drei Gruppen ein. Bei 60 Prozent sei alles "normal", 20 Prozent seien überbehütet und bei 20 Prozent der Kinder würden deren Eltern überhaupt kein Interesse am Schulalltag und an der Entwicklung des eigenen Nachwuchses zeigen. Schwester Inges größte Sorge: "Viele Kinder sind langfristig in der Kinder- und Jugendpsychiatrie." Dass sich häufig trotz Therapie bei den jungen Patienten nichts ändert, stimmt sie traurig. Psychische Verwahrlosung und Depressionen seien häufige Ursachen, die eine Behandlung notwendig machen. "Das erlebt man heute an einer Schule hautnah."
Eines der schönsten Erlebnisse an der Mädchenrealschule war für Schwester Inge die Einführung der R6 im Jahr 2000. Früher seien die Mädchen in der Pubertät an die Schule gekommen. Heute sind die Mädchen jünger. "Mit den offenen und zutraulichen Fünftklässlerinnen ist neues Leben in unser Hausgekommen." Wegen der vielfältigen Aufgaben in der Schule nennt sich Schwester Inge als "Unternehmerin eines kleinen Betriebs". Das Lehrerkollegium sieht sie als ihre Mitunternehmer, Weggefährten und Erfolgspartner. Die Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat sei stets konstruktiv gewesen. "Die einzelnen Mitglieder des Elternbeirats regten viel an und setzten tatkräftig ihre Ideen um." Um vieles zu finanzieren sei sie gerne für ihre Schülerinnen betteln gegangen. Allen großzügigen Geldgebern sagt sie ein aufrichtiges "Danke". 
Wegen des Fortbestands der Schule und ihrer Nachfolge macht sich Schwester Inge keine Sorgen. Da ist bereits alles bestens geregelt," lehnt sie sich auf ihrem Bürostuhl bequem zurück. Die bisherige Konrektorin Doris Roth wird die Schulleitung übernehmen - als erste weltliche Leiterin der Schule. Bisher leiteten seit 1856 ausschließlich Schwestern die Einrichtung. Neue Konrektorin wird Kerstin Petz. "Beide sind im franziskanisches Geiste geprägt," strahlt Schwester Inge große Zuversicht aus. "Es geht genau so weiter, aber halt etwas anders," sagt sie leise mit einem Lächeln im Gesicht. Einzelne vorgeplante Vertretungsstunden will sie selbst auch im Ruhestand noch wahrnehmen. "Ansonsten ziehe ich mich komplett aus dem schulischen Alltag zurück." 
Zahlen:
1856 übernehmen die Dillinger Franziskanerinnen zwei Schulstellen in Volkach.
1998 wird Schwester Inge Höning neue Leiterin der Mädchenrealschule.
2012 übernimmt Konrektorin Doris Roth als erste "Weltliche" die Schulleitung.
Fotos und Text: Peter Pfannes
      
Foto fp In der Klasse: Die beiden Fünftklässlerinnen Jasmin und Aline lassen sich bei den Übungen für den Jahrgangsstufentest gerne von Schwester Inge über die Schultern schauen.
Foto fp Mosaik: Schwester Inge Höning ist begeistert: Zum Abschied haben die Ehemaligen der Schule das Mosaikkunstwerk an der Schulhofmauer erweitert. "Mauerblümchen" heißt das farbenprächtige Projekt. 
 
-    Die offizielle Verabschiedung fand am 27.07.2012 in der Aula mit geladenen Gästen statt
       
 
             

-  Die Schülerinnen der 5. bis 10. Klassen und das Lehrerkollegium haben sich am 30.07.2012  von Sr. Inge verabschiedet. 



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