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Talentakademie in Lindau


12.08.2015

Talentakademie in Lindau

   

Europäische Talentakademie Lindau im August 2015
Ein Erlebnisbericht
 
Als ich auf dem Weg in Richtung Turnhalle war, fing mich meine Direktorin, Frau Roth, ab und sagte ich solle kurz in das Direktorat kommen. Mein erster Gedanke war: „Oh mein Gott! Was hast du angestellt?“. Doch dann wollte sie mir einfach nur erklären, dass die Lehrer und Lehrerinnen beschlossen hatten, mich für die Europäische Talentakademie in Lindau vorzuschlagen. Danach ging alles auch ziemlich schnell. Meine Schule meldete mich an, Bewerbungen wurden geschrieben und das Auswahlverfahren begann. Ende März bekam ich dann endlich den heiß ersehnten Umschlag mit der Zusage, die ich sofort überall verkündete.
Am 16. und 17. Mai reiste ich zum Vorbereitungswochenende nach Lindau. Nach einer Vorstellungsrunde in der Jugendherberge gingen wir gemeinsam zum Bodensee Gymnasium, in dem den ganzen Tag ein großes Kennenlernen stattfand. 
Folgende Kurse wurden angeboten:
Kurs 1: Unter die Oberfläche schauen – Lebenswelten im Bodensee
Kurs 2: Entropie – alles Schall und Rauch?
Kurs 3: Von analog bis digital – eine Zeitreise durch die Fotografie
Kurs 4: Vom Regenbogen zum Smartphone – Wie kommen die Farben in die Welt?
Kurs 5: Literaturprojekt – Verbrecher im Netz
KüA (Kursübergreifendes Angebot): Tanz oder Chor
Wir hatten dort ein Plenum, einen Marktplatz, bei dem wir in die anderen Kurse schnuppern konnten, dann Einblicke in den eigenen Kurs, also Besprechungen für den Sommer. Ich selbst war in Kurs 3. Nach dem Abendessen folgte ein Kennenlernen der KüA. Es wurden beide Möglichkeiten ausprobiert und am Sonntag schließlich entschieden, welches wir nehmen wollen. Am Sonntag fanden wiederum ein Plenum, eine Kurseinheit und die Wahl der KüA statt. In unserer Kurseinheit lernten wir die Kunst der Cyanotypie kennen. Ralf, unser Kursleiter, hatte bestimmtes Papier mit einer Beschichtung vorbereitet. Wir durften uns Gegenstände aus einer Kiste oder einfach aus dem Pausenhof suchen und diese dann auf diese Beschichtung geben. Über das Ganze wurde eine Glasplatte gelegt und das wurde wiederum in die Sonne gelegt. Die grüne Beschichtung färbte sich dunkelblau und dann mussten wir das Blatt nur noch waschen und das, was wir vorher darauf gelegt hatten, sahen wir weiß auf blau wieder. Bei der KüA-Wahl entschied ich mich für Tanz und nach unserem gemeinsamen Mittagessen machten sich auch alle schon auf den Weg nach Hause. Es fiel schon da allen schwer sich voneinander zu trennen.
Vom 02. bis 15. August 2015 fand schließlich die diesjährige Sommerakademie statt. „Hit the road, jack! Don't you come back no more, no more, no more, no more...! “ Für viele ist dieses Lied lediglich ein Ohrwurm, doch für die Leute der Talentakademie 2015 bedeuten dieses und noch ein paar weitere Lieder so viel mehr! Sie begleiteten uns durch die gesamte Akademie. 
Am Tag der Anreise war es so schön alles und jeden wiederzusehen, die Zimmer wurden bezogen und schließlich machten wir uns auf den Weg ins Bodensee Gymnasium. Ich kann theoretisch diese zwei Wochen in einem Wort zusammenfassen: ATEMBERAUBEND!
In meinem Kurs hatten wir einen als Kamera umgebauten Raum, das heißt alles war schwarz. Es gab nur ein kleines Loch am Fenster, dahinter stand eine weiße Stellwand. Wenn man jetzt das Loch frei machte, dann wurde alles, was draußen passierte, auf diese Wand abgebildet, allerdings falsch herum, aber das ist nun mal das Prinzip der Kamera. Wir bauten unsere eigene Kamera aus einer Keksdose, mit der wir dann auch fotografierten. Diese Bilder waren die ersten, die wir selbst entwickelten. Es wurde viel Technisches besprochen, von der Geschichte der Fotografie, der Brennweite über die ISO- Zahl bis zur Blende. Wir fotografierten außerdem mit sämtlichen Kameras ein Gruppenbild, beispielsweise auf eine Aluminiumplatte. Wir durften durch Lindau laufen, hauptsächlich auf der Insel, um Bilder mit einer analogen Kamera zu machen, die wir am nächsten Tag entwickelten. Des Weiteren beschäftigten wir uns mit der Kunst der Lichtmalerei, die wir auch selbst ausprobierten. Wir besprachen Bildbearbeitungsprogramme wie Gimp und XnView, mit denen wir im Anschluss eine Bildmontage erstellten. Ich hängte meine Kurspartnerin Lucie schräg wie eine Art Flagge an eine Laterne. Außerdem erfuhren wir, wie man am besten Portraits macht. Wir lernten alles rund um die Dunkelkammer, bereiteten unseren Sketch für den Abschlussabend vor, bekamen Tipps für die Handyfotografie und noch so vieles mehr.
Unser KüA Tanz kann ich eigentlich mit unserem Abschlusstanz zusammenfassen: Wir tanzten einen Akademietag nach. Alles begann in einer Schlafposition, das heißt wir lagen auf dem Boden und rollten uns herum. Wir wachten langsam auf, die Musik änderte sich und wir begannen mit dem Morgensport. Es bildeten sich kleine Gruppen und jeder machte etwas Anderes. Danach tanzte jeder Kurs seinen Kurs. Es war etwas Show mit Tanzelementen, tänzerisch meiner Meinung nach wirklich gut und man hat auch alles sehr gut deuten können. Wir hatten einige Duette und Trios. Verschiedene Freizeitaktivitäten wie Standardtänze, Origami, Kampfsport und Showtanz wurden verkörpert. Beendet wurde das Ganze mit einem Tanz der gesamten Truppe und dann schliefen alle wieder ein und der Chor sang uns ein Schlaflied. Es war richtig, richtig cool. In dieser Gruppe machte es mega Spaß. Das Training dafür wurde immer wieder durch Übungen, Spiele oder Gesangseinlagen von „Hit the road, Jack!“ aufgelockert, so dass man sich nie unter Druck gesetzt fühlte. Ich kann diese Erfahrungen nur weiter empfehlen.
Natürlich wurden auch verschiedene Specials für uns organisiert. Am ersten Mittwoch gingen wir zu Hannes, Kursleiter von Kurs 1, denn er hat ein Haus am See. Hier grillten wir, konnten im Bodensee schwimmen, sprachen mit dem Fischer, der unseren Fisch gefangen hatte und trafen uns danach alle am Lagerfeuer. Die ersten Lieder setzten sich durch. Neben „Hit the road, Jack“ gab es noch „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ oder „Skandal um Rosi“. Zur Gitarrenmusik sangen wir bestimmt zwei Stunden und es hätte noch ewig so weitergehen können. Außerdem hatten wir ein Europa-Planspiel. Jeder zog ein Rollenprofil eines Mitglieds des Europaparlaments oder des Ministerrats und dann spielten wir eine Gesetzgebung nach. Mit allen Pressemitteilungen, Verfahren, etc. Die zu bearbeitenden Themen waren: Schutz für Kinder im Internet und Recht auf das Löschen von Daten im Internet. Des Weiteren hatten wir eine Drei-Länder-Bootsfahrt, die viel Spaß machte.
Wir selbst gestalteten unser Freizeitprogramm auch sehr schön. Wir machten DVD-Abende, bei denen wir uns zu 25. in ein Jugendherbergszimmer quetschten, wir spielten Spiele und redeten bis tief in die Nacht. Am 12.08., also in der Sternschnuppennacht, legten wir uns draußen auf den Boden und schauten uns alle zusammen die Sternschnuppen an. Wir spielten Volleyball, falteten Origami oder musizierten gemeinsam.
An unserem Abschlussabend kamen unsere Familien, um zu sehen, was wir in diesen zwei Wochen getan hatten. Wir hörten einige interessante Reden, das Orchester gab verschiedene Stücke zum Besten, jeder Kurs stellte sich in einem Sketch dar, es gab eine Tanzaufführung, der Chor sang und die Impro-Gruppe hatte einen Auftritt. Darüber hinaus bekamen wir dann alle eine Urkunde und eine Sonnenblume. Der Fotokurs gab eine Ausstellung der besten Bilder und die Forschungen des Biokurses konnten betrachtet werden. Das Buffet bot alles, was das Herz begehrte. Als alle Familienmitglieder sich verabschiedet hatten, begann die Party. Zuerst musizierten wir selbst und dann legte unsere Technik auf und wir tanzten und feierten bis tief in die Nacht. Wir hatten einen riesen Spaß in diesen zwei Wochen und ich will sie wirklich absolut nicht missen. Als wir uns am darauf folgenden Tag nach dem Aufräumen und der offiziellen Verabschiedung im Bodensee Gymnasium auf den Weg zur Jugendherberge machten, bei der die meisten Eltern warteten, sangen wir noch ein letztes Mal „Hit the road, Jack!“. Gemeinschaft pur!
Als ich dann schließlich wieder nach Hause fuhr, wusste ich, ich habe Freunde fürs Leben gefunden! Trotz der Entfernung schafften es einige sich in München für einen Tag zu treffen und das Oktoberfest wurde dieses Jahr natürlich auch gemeinsam besucht. Jetzt sitzen, wie ich wirklich weiß, alle zuhause und zählen nur noch die Tage bis endlich das Nachbereitungswochenende beginnt. Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen, uns nicht aus den Augen zu verlieren! Ich habe tolle Erfahrungen dort sammeln dürfen, so viel lernen und Spaß haben können und interessante Persönlichkeiten getroffen! Es waren zwar nur zwei Wochen, doch es hat eine Gruppe zusammengefunden, die sich niemals trennen wird!
 
Text: Anna-Lena Kopp (ehemalige Schülerin Abschluss 2014/15)
Fotos: S. Weber, R. Bräutigam, D. John, G. Breitenhuber
 


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