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Jugendrichter


30.04.2012

Kea Stevens, 9 a
Am 30.04.2012 bekamen wir, die Klasse 9 a, hohen Besuch vom Jugendrichter des Amtsgerichts Schweinfurt, Herrn Roth. 
Nach einer kurzen Vorstellung zeigte uns der Richter ein Idealbild eines Jugendlichen, der suchtfrei, flexibel, dynamisch und höflich ist. Im Gegenzug schilderte er uns ebenso einen Minderjährigen, der seinen Kunden entspreche. Drogensüchtig, gewalttätig und mit Alkoholproblemen. 
Er erklärte, dass der Anwendungsbereich des Jugendstrafrechts bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren liege. Zusätzlich kann ein Heranwachsender ab 18 bis 21 Jahren, falls er Reifeverzögerungen und typische Jugendverfehlungen vorweist, mit dem Jugendstrafrecht bestraft werden, das nach allen Maßnahmen des JGG zu erzieherischen Zielen dient. 
Ohne Zustimmung des Richters kann von Verfolgung abgesehen werden, wenn man geringe Schuld besitze, es geringe Folgen gibt, wenn bereits erzieherische Maßnahmen durchgeführt werden, es nicht für nötig gehalten wird oder es ein Vergehen ist. Doch falls dies nicht der Fall ist, wird durch eine Anklage ein gerichtliches Verfahren in die Wege geleitet. 
Zwischen 14 und 18 Jahren gibt es ein vereinfachtes Verfahren. Dies tritt ein, wenn der Jugendliche eine geringe Tat beging. Hierbei wird die Hauptversammlung ohne einen Staatsanwalt durchgeführt und im Regelfall eingestellt
Zwischen 18 und 21 Jahren dagegen ein beschleunigtes Verfahren, das heißt es müssen keine Fristen, wie beispielsweise die Anklagefrist eingehalten werden. Im Gegensatz erhalten Erwachsene hier einen Strafbefehl.
Es gibt verschiedene Folgen, je nach Härte der Verstoßung gegen das Gesetz: Erziehungsmaßregeln (wie Wohnsitzmaßnahmen, Anti-Gewalt-Training, Ausgleich mit dem Opfer zu suchen, Teilnahme an Verkehrserziehung), Auflagen (Geldauflagen bei Auszubildenden, Arbeitsauflagen bei Schülern), Jugendarrest (Freizeitarrest, Kurzarrest) und Dauerarrest (1-4 Wochen) und die Jugendstrafe (echte Haftstrafe, Mindestmaß 6 Monate).
Der Vorteil ist, wenn ein Jugendlicher mehrere Straftaten begonnen hat, kann der Jugendrichter eine einheitliche Jugendstrafe aussprechen.
Man kann sich aber auch Hilfe von der Jugendgerichtshilfe holen, bzw. dem Jugendamt. Die Mitarbeiter/innen sprechen dort mit den Tätern, unterstützen sie und schlagen dem Gericht Maßnahmen vor.
Am Ende wird entschieden, wer die gerichtlichen Kosten des Verfahrens trägt. 
Falls man nach dem Jugendstrafrecht bestraft wird, ist man nicht vorbestraft. Nur im Erziehungsregister ist dies nachzulesen. Ausnahme: Falls man eine Jugendstrafe von 2 Jahren oder länger absitzen muss, zählt das als vorbestraft. 
Unser Besuch im Amtsgericht Schweinfurt

- Alina Manger -


Am Mittwoch den 02.05.12 fuhren wir, die Klasse 9 a, ein Teil der 8 a, Frau Zinkl und Frau Leibold zum Amtsgericht nach Schweinfurt, um dort Verhandlungen beobachten zu können.

In der ersten Verhandlung ging es um Körperverletzung.
Um kurz nach neun Uhr saßen wir alle gespannt in dem Gerichtssaal und warteten auf den 2. Angeklagten, der kurze Zeit später auch kam und somit Herr Roth die Sitzung eröffnen konnte. Die Staatsanwältin las die Anklage vor. Zur Anklage wurden 2 Jungen im Alter von 15 und 19 Jahre gestellt, die sich im vergangenen Sommer letzten Jahres strafbar durch eine Schlägerei gemacht haben. Dabei stellte sich heraus, dass zuerst der 15-jährige Junge grundlos auf einen Unbekannten einschlug. Dieser ließ sich das natürlich nicht gefallen und wehrte sich zurecht. Jedoch ohne Grund mischte sich der 19-jährige ein und schlug mit dem 15-jährigen den Unbekannten zusammen, bis dieser am Boden lag. Schlimmeres konnte nur verhindert werden, da sich zwei Passanten eingemischt haben. Der männliche Passant bekam durch den 19-jährigen einen Schlag und wurde somit schwer am Kiefer verletzt. Durch Zeugenaussagen und direkte Fragen des Richters stellte sich heraus, dass die Jugendlichen erheblich alkoholisiert waren und ca. 1,7 Promille hatten.
Die Strafen betrugen für den 19-jährigen 50 Stunden Sozialarbeit und 10 Besuche bei einer Beratungsstelle. Außerdem darf er 6 Monate keinen Alkohol trinken. Der jüngere Junge bekam 80 Stunden Sozialarbeit, die er innerhalb von 6 Monaten abarbeiten müsse.

In der zweiten Verhandlung ging es um Diebstahl.
Die junge Angeklagte schilderte, dass es an diesem Tag sehr kalt gewesen sei und dass sie sich daraufhin entschloss, eine Jacke in einem Bekleidungsgeschäft zu entwenden. Dabei war ihr nicht bewusst, dass sie ein Taschenmesser in ihrer Handtasche besaß und somit der Diebstahl ein ganz anderes Gesicht bekam.
Ein Jugendgerichtshelfer schilderte die negative Vergangenheit und Gegenwart der Angeklagten und schlug vor, dass sie Arbeitsstunden abarbeiten sollte und dies auch der persönliche Wunsch der jungen Frau entsprach.
Die Strafe bestand aus 25 Arbeitsstunden und mindestens 10 Beratungsgespräche. Bei Abbruch drohte ihr 4 Wochen Dauerarrest.

Beim letzten Verfahren ging es um 3-maliges Schwarzfahren in der Bahn. Der Richter, Herr Roth, wollte das Verfahren vorher einstellen doch die Staatsanwältin war damit nicht einverstanden.
Der Jugendliche war in einer Woche 3-mal hintereinander beim Schwarzfahren erwischt worden. Er erklärte, dass sein Auto kaputt war und dass er kein Geld mehr besaß um die Zugkosten von 21,60 Euro zu bezahlen. Außerdem hatte er auch keine Möglichkeit bei einer Fahrgemeinschaft mitzufahren.
Da der Junge vorher nie strafrechtlich auffiel und eine gute Ausbildung machte, betrug das Urteil nur ein Bußgeld von 50 Euro.
 

Obwohl der Jugendrichter uns bereits einige Informationen zwei Tage zuvor übermittelte, war es dennoch eine lehrreiche Erfahrung im Amtsgericht Schweinfurt. Wir hatten viele Einblicke und bedanken uns bei Herrn Roth. 



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