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Internationaler Besuch an der Mädchenrealschule


08.06.2016

Internationaler Besuch an der Mädchenrealschule

 

    

    

Ein wenig stockt Schwester Paulit von den Dillinger Franziskanerinnen. Die erste Frage, die eine Schülerin der Klasse 8 a ihr stellt, gilt der Rolle der Frau in Indien. Man spürt, die Ordensfrau in dem safranfarbenen Sari möchte ihr Heimatland nicht in negatives Licht rücken. Im Prinzip könnten auch indische Mädchen eine Ausbildung machen und jeden Beruf ergreifen, jedenfalls sei das bei den Christen so. Aber – ja, es gebe auch eine Unterdrückung von Frauen. Und die Ehefrau eines Brahmanen stehe nach dem Tod ihres Mannes unter der Kuratel der Schwiegermutter.

Schwesterndelegationen aus Indien, den USA und Brasilien waren im Mai zur Feier des 775-jährigen Bestehens ihres Ordens nach Deutschland gekommen und besuchten bei der Gelegenheit auch einige deutsche Niederlassungen. Das Kloster St. Maria in Volkach mit der Mädchenrealschule und dem Hort durfte dabei nicht fehlen. So kam es für die beiden achten Klassen zu einer besonderen Schulstunde.

Die kritische Frage der Schülerin war auch eine Steilvorlage dafür, vom Engagement der Schwestern zu erzählen. Diese wollen sehr wohl die Stellung von Mädchen und Frauen in der indischen Gesellschaft verbessern, vor allem durch Bildung. Auf dem Land führen sie Hostels (Schülerinnen-Wohnheime), damit die Mädchen aus den verstreut liegenden Dörfern die Schule besuchen können. In der Stadt Bilaspur hat der Orden eine eigene Schule mit sage und schreibe 5 000 Schülerinnen und Schülern. Dort werde auch Wert auf ein gutes Miteinander der Religionen gelegt, denn die meisten Kinder und Jugendlichen seien Hindus sowie Muslime; die Christen machen die kleinste Gruppe aus.

Ganz anders stellt sich die Situation in dem dünn besiedelten Bundesstaat North Dakota/USA dar. Sr. Mary Ruth berichtete, sie unterrichte an einer kleinen Pfarrschule, die insgesamt nicht mehr Schüler/-innen hat, als in Volkach in der Klasse 8 a sitzen. Die katholischen Eltern schicken ihre Kinder gerne dorthin, weil es an den staatlichen Schulen in den USA keinen Religionsunterricht gibt.

In der 8 b erzählten die brasilianischen Schwestern von ihrer Arbeit. Bildung war auch hier ein wichtiges Stichwort, denn nur mit einer ausreichenden Schulbildung lasse sich der Kreislauf der Armut durchbrechen. Nur wer um seine Rechte wisse, könne sich gegen Unrecht wehren. Die Schwestern kümmern sich zum Beispiel besonders um Kinder aus den Favelas und Straßenkinder. Schwester Lucimeire war es aber auch ein Anliegen, Brasilien als ein wunderbares Land vorzustellen mit herrlichen Landschaften und viel Solidarität im einfachen Volk.

Dass die Schwestern mit ihrem Leben „glücklich“ sind, wie Schwester Paulit betonte, und sich auch über das Interesse der Volkacher Schülerinnen freuten, konnte man bei den zum Abschluss dargebotenen Liedern spüren: einem humorvoll frechen amerikanischen Song und einem hingebungsvoll gesungenen Lied in Hindi. Die Volkacher Mädchen dankten mit Applaus, doch was sollten sie nun als typisch deutsches Lied singen? Ein Volkslied oder „Freude, schöner Götterfunken“?

Am Nachmittag luden Erzieherinnen und Kinder des Hortes zum gemeinsamen Kaffee auf ihren Spielplatz ein. Da ließen es sich ein paar Schwestern nicht nehmen, mit den Jungs und Mädchen eine Runde Kicker zu spielen.

 

Text und Bilder: Schwester Maria Uttenreuther, Bamberg



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