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Freiwilliges „Nachsitzen“ für eine lebendige Begegnung mit der Partnerdiözese


06.06.2012

Freiwilliges „Nachsitzen“ für eine lebendige Begegnung mit der Partnerdiözese

Den Begriff „hitzefrei“ zu übersetzen, war das einzige ernsthafte Verständigungsproblem
bei dem Besuch der afrikanischen Gäste in der Mädchenrealschule der Franziskanerinnen in Volkach.
Drei Frauen aus der Partnerdiözese Mbinga besuchten im Juni 2012 auf Einladung der Lehrerin Frau Blankart den Unterricht an der Mädchenrealschule Volkach, um sich mit den Schülerinnen über die jeweiligen Lebensbedingungen auszutauschen. Begleitet wurden die Frauen durch  Karin Post-Ochel der Stellvertretenden Diözesanvorsitzenden des Frauenbundes. Frau Post-Ochel war auch die Dolmetscherin für Salome Mahande (Leiterin einer Grundschule), Christina Sanga (Krankenschwester) und Schwester Taji Mvulla (Hauswirtschaftslehrerin) die alle drei neben der Landessprache Kisuaheli ausgezeichnet Englisch und ein wenig Deutsch sprechen.

Eine „Delegation“ der Mädchen der 5. Klassen empfing die vier Frauen um 07:45 Uhr im Pausenhof der Schule und brachten sie in die Räume zum Handarbeitsunterricht.
 
1. Stunde: 
Textiles Gestalten bei Frau Blankart: Erstaunt waren die Afrikanerinnen über die gute  Ausstattung und das vorhandene Material. Sie erzählten, dass in Tansania der Unterricht allein schon daran scheitert, dass es an Material fehlt.

2. Stunde: 
Erdkundestunde  Klasse 7a bei Frau Gremler: Die 28  Schülerinnen warteten schon auf die Gäste. Im Unterricht wird der Kontinent Afrika behandelt und die Schülerinnen hatten die wichtigsten geographischen Merkmale des Landes zusammengetragen. In einer Fragestunde erfuhren sie viel Neues über die Lebensweise der Menschen in Tansania und über das Schulwesen.
               

3. Stunde: 
Führung durch das Schulgebäude durch die Schulleiterin Sr. Inge Höning.

4/5. Stunde: 
Hauswirtschaftunterricht der 7.Klassen. Hier war Sr. Taji in ihrem Element. Sie band sich ihren Kanga (Tuch) als Schürze um und half den Mädchen beim Zubereiten von Pizza, Salat und Spülen und Abtrocknen. Auch Christina und Salome schauten interessiert in die Kochtöpfe und auf das Gemüse. Vieles davon kannten sie, manches auch nicht, wie z.B. süße Sahne, die für eine Nachspeise geschlagen wurde. Die Verwunderung war wieder groß und die  Erklärung folgte, dass in Tansania zwar auch das Fach im Lehrplan vorhanden ist, aber es keine Möglichkeit es zu unterrichten, da es an Material und Ausstattung scheitert.
Zudem waren sie verwundert über die kleinen Klassen mit nur maximal 33 Schülerinnen an der Schule. In Mbinga unterrichtet Christina 120 Schüler in einer Klasse. 

6. Stunde: 
Die 28  Mädchen des katholischen Religionsunterrichts aus den beiden 5. Klassen hatten sich gründlich vorbereitet auf diese Begegnung.
Zunächst wurde im Religionsunterricht die Struktur der Weltkirche besprochen.
So war allen Mädchen deutlich, was sich hinter dem „geheimnisvollen“ Wort Diözese
verbirgt. Mit Hilfe eines Internetartikels haben die Schülerinnen sich einige Informationen
über die Diözese Mbinga in Tansania erarbeitet. Jetzt konnte die konkrete Vorbereitung
des Besuches beginnen:  Wie können wir die Gäste begrüßen? Wo setzen wir sie hin, damit
man sich gegenseitig gut im Blick hat? Was interessiert uns, worüber möchten wir reden?
Die Religionslehrerin  Frau Hildegard Weigand gab den erarbeiteten Fragenkatalog über den Schulalltag, die Infrastruktur, das religiöse Leben und die Landschaft in Tansania vorab an die Gäste weiter.
Endlich war es soweit, mit dem Lied „Laudato si“, dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus, wurden die Gäste im Klassenzimmer empfangen.
Die Frauen begrüßten ihrerseits die Mädchen mit einem freudigen und lauten Zungenschlagen und hatten eine Menge Fotos und Informationen im Gepäck. In einem sehr anschaulichen Unterrichtsgespräch erfuhren die Schülerinnen, dass man in Tansania ohne Schuluniform nicht am Unterricht teilnehmen kann, dass das Fahrrad ein wichtiges Verkehrsmittel ist, es einen Berg und eine Stadt mit den Namen Elefant gibt und es in der Diözese, wie bei uns, eine Kilianskirche hat. Die Mädchen waren so vertieft ins Fragen und Zuhören, dass sie fast das Klingeln am Ende der Unterrichtsstunde überhörten. Alle blieben freiwillig länger und hätten sie nicht schließlich zum Bus gehen müssen, könnten einige von ihnen jetzt sicherlich die Haare nach afrikanischer Art flechten.
Herzlich hat man sich voneinander verabschiedet, die Gäste gingen danach zum vorbereiteten
Essen in die Schulküche, die Mädchen zu ihren Schulbussen oder ins Tagesheim.


 

Text: Hildegard Weigand/Erika Blankart 



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